Eine tolle Talkrunde ging in die Verlängerung!

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Eine tolle Talkrunde ging in die Verlängerung

Gastbeitrag zur Veranstaltung der Fußballzeitreise am 21.10.2019 mit den Gästen B. Stange und J. Croy

Hans Klemm / Eisenach

Um es gleich zu Beginn dieser Zeilen zu äußern, hat der Autor dieser folgenden Zeilen feststellen dürfen, dass er nicht nur im Saal KUKUNA von Bad Tabarz als gebürtiger Zwickauer der scheinbar wichtigste Zeitzeuge als Vereinskamerad des nur ein Jahr älteren Gastes, Jürgen Croy, war, sondern auch als späterer Student und Gründungsmitglied des FC Rot Weiß Erfurt rein zufällig gleichzeitig zahlreich anwesende „Legenden“ dieser damals noch gut funktionierenden Traditionsmannschaft im DDR-Oberhaus im ausverkauften „KuKuNa“ von Bad Tabarz am letzten Montagabend mit den begeisterten Gästen, neben dem Wiedersehen, gleichzeitig eine regelrechte Sternstunde erleben durfte, obwohl hier schon in der Vergangenheit bereits zahlreiche illustre Redner aus der Politik, Wirtschaft, Kultur und des Sportes gastierten. Am Ende dieser fast 3-stündigen (!) Mammutveranstaltung flossen vor Rührung bei dem umsichtigen Begründer der „Fußballzeitreise“ und Kuramtsleiter des Ortes, Marcel Wedow, im Blitzlichtgewitter der ausharrenden zahlreichen Ehrengäste, zufriedenen Zuschauer und anwesenden Vertreter verschiedener Medien, leichte Freudentränen! Doch dazu später mehr.

Schon die Zusammensetzung der Talkrunde war ein wahrer Volltreffer, weil einfach für die meisten Anwesenden heimatliche Erinnerungen wieder wachgerüttelt wurden, die die prominenten Gäste, „Welt“ -Trainer Bernd Stange sowie der bodenständige und langjährige Nationaltorhüter Jürgen Croy mit bisher kaum gekannten Hintergrundinformationen, oftmals unterbrochen vom beifallsfreudigem Publikum, würzten. Während der erfahrene ehemalige MDR – „Kult“ - Reporter , Gert „Zimmi“ Zimmermann aus Sachsen, völlig locker und ohne jegliche schriftliche Vorgaben geschickt beide Gesprächspartner zu bestimmten, auch schwierigen, Themen befragte, konnte man als Zuschauer sehr schnell herausfinden, dass sämtliche Antworten gut überlegt aber auch erstaunlich offen waren. In der ersten Hälfte plauderte besonders der Zwickauer über seine Entwicklung, spätere erfolglose Abwerbungsversuche durch die damaligen Oberen des Fußballverbandes und legte besonders dar, dass immer seine Heimatstadt in allen Dingen Priorität hatte. Aus seiner Sicht ist Fußball nicht Alles und begründete zusätzlich, dass in der heutigen Zeit dieser Sport nicht im Vergleich zu früher nicht unbedingt besser, doch leider eher als wirtschaftliches Produkt gesehen wird und er sich deshalb eher etwas zurückzieht und nicht unbedingt Zusatzprogramme im Privatfernsehen ansehen muss. Auch als Ehrenbürger von Zwickau ist er nicht Besitzer einer Ehrenkarte beim FSV! Legendär war natürlich das damals gewonnene Pokalfinale gegen die favorisierten Dynamos aus Dresden als er nach zwei gehaltenen Elfmetern selbst zum letzten Schuss vom Punkt antrat und diesen im gegnerischen Netz versenkte und damit den Pokal holte. Kurzerhand musste die bereits vorgeschriebene Glückwunschrede für die Dresdener umgeschrieben werden! Er erinnerte auch gern daran, dass seine Zwickauer Überraschungstruppe erst im folgenden Europacup - Halbfinale gegen Anderlecht scheiterte!

 

Im Nachhinein wusste er, dass die gezahlten Prämien für das Erreichte in der DDR-Vergangenheit (u.a. das 1:0 gegen die BRD in Hamburg bei der Fußball-WM sowie der abschließende 6.Platz) gegenüber einer ersten Einladung nach der „Angleichung“ im Schwarzwald bei einer von einem Geldinstitut organisierten Talkrunde und dem dort erhaltenen Honorar, eher nur eine Art Schmerzensgeld war........ In beeindruckender Art erzählte er natürlich auch von bestimmten Begebenheiten mit dem ständig begleiteten „Betreuerpersonal“, das besonders von den höchsten Verbänden des Sportes in der Ferne agierte......

In der zweiten Halbzeit der munteren Gesprächsrunde kam vorwiegend der frühere Assistent seines berühmten Vorbildes, G. Buschner, Bernd Stange, zu Wort. In seiner bekannten und wohltuend überlegten Art plauderte er ruhig und sehr sachlich über seinen Werdegang als späterer Trainer, nachdem er als Aktiver selbst keine erfolgreiche Zukunft sah. Er strebte als „Weltenbummler“ nicht unbedingt eine Einstellung des Anstellungsrekordes als Trainer im In- und Ausland des verstorbenen Rudi Gutendorf an, doch wer aber seinen Ausführungen gespannt folgte, weiß nun, wie sich seine vielen interessanten und auch gefährlichen Stationen u.a. als erfahrener „Trainer im Krieg“ ergeben haben, nachdem seine ersten Anstellungen in seinem Heimatort Jena in der Wendezeit und bei den Clubs der 1. Bundesliga, Hertha BSC und VfB Leipzig mit Entlassungen aus verschiedenen Gründen erfolgten.

Erwähnenswert ist natürlich, dass nach seiner heimlichen Anstellung bei den Berlinern (in Jena wusste man vorerst noch nichts davon) er selbst neben dem Amt als Trainer gleichzeitig noch als Scout agierte und ihm nach einer Beobachtung bei einem Spiel des Zweitligisten RW Essen besonders ein 18-jähriges Talent auffiel, das ohne Weiteres, auch für relativ wenig Geld, überraschend zu haben war. Erst bei den folgenden Trainingseinheiten in Berlin entpuppte sich aber dieser Heranwachsende als ein bereits mit allen Wassern gewaschener Mario Basler, mit dem neben B. Stange, später auch andere Trainer bei verschiedenen Vereinen wegen seiner fehlenden Disziplin ihre Schwierigkeiten hatten.......

Berd Stanges weitere Laufbahn im Ausland, meistens begleitet von seinem in Jena nicht weit entfernt wohnenden „Dauerbegleiter“ Ex-Zwickauer und Nationalspieler H.Irmscher, nötigt einfach Hochachtung und Bewunderung ab! Vergessen dabei werden darf nicht, dass er bereits schon 1984 zum DDR- Nationaltrainer berufen – und vier Jahre später wieder abberufen wurde!

Ab 1995 führte ihn sein Weg zu zwei Clubs in die Ukraine, später nach Australien, wo er nach dem Auslaufen seines Vertrages nach dreijähriger Amtszeit trotz Demonstration von über zehntausend Sympathisanten gehen musste! Als er mit seiner Frau bereits auf der Rückreise im Flugzeug nach Deutschland unterwegs war, erhielt er noch in der Luft eine dringende Nachricht, möglichst sofort in den Oman zu Vertragsgesprächen zu erscheinen! Das verlockende Angebot, nach dem erfolgten Umstieg in eine andere Maschine (!) nahm er sofort an, doch sollte es nur für ein paar Monate Bestand haben!

Plötzlich erinnerten sich die Fußballherren des politisch sehr schwierigen Irak an Stanges außergewöhnliche Führungsfähigkeiten und holten ihn nach Erlaubnis des DFB und der FIFA als Nationaltrainer. In Deutschland wurde seine gefährliche Tätigkeit auch von zahlreichen kritischen Stimmen begleitet. Nach der fürchterlichen Kriegspause im Jahr 2003 versuchte er ein Jahr später nochmals einen Neuanfang, doch zwischen den zerbombten Anlagen und teilweise gefallenen Spielern war eine Fortführung seiner Tätigkeit einfach zwecklos. So musste B.Stange einen Monat nach seinem Rücktritt aus der Ferne zuschauen, wie seine bereits qualifizierten Spieler bei den Olympischen Spielen 2004 einen ausgezeichneten 4. Platz belegten.

Mitten in der Saison 2005 zog es ihn mit seinem „Busenfreund“, Harald Irmscher, nach Zypern, nachdem er diesen aufgefordert hatte, kurzfristig englisch zu lernen. Der dortige Club Apollon Limassol lag bei dem Antritt des deutschen Trainergespannes auf dem dem abstiegsgefährdeten vorletzten Tabellenplatz, um nach dem Ende im Mittelfeld zu landen. Ungeschlagen holte der Club ein Jahr später ungeschlagen die Meisterschaft und sogar den Landessupercup! Durch die Entlassung von Irmscher aus angeblich finanziellen Gründen beendete somit auch Stange seine erfolgreiche Zeit in Zypern. Weitere Stationen waren danach z.B. Weißrussland, Singapur sowie Syrien, von denen er natürlich auch berichtete.

Als der pfiffige Moderator „Zimmi“ bemerkte, wie schnell bei den spannenden Schilderungen die Zeit doch verging, leitete er unbewusst den abschließenden Höhepunkt der überaus begeistert verfolgten Veranstaltung ein. Da zauberte nämlich Bernd Stange aus seinem ganz normalen alltäglichen Einkaufsbeutel u.a. eine goldene Trophäe heraus, die er bisher als einziger Deutscher, neben Franz Beckenbauer, erhielt. Nach erfolgter unterschiedlicher Familienauffassung hatte er sich entschieden, sich von dem von der FIFA für seine unter Kriegsbedingung gefährliche Mission im Irak erhaltenen wertvollen Preis, “Presidential Award“, persönlich zu trennen, um diesen der „Fußballzeitreise“ zur Verfügung zu stellen!

 

Im übermäßig lang anhaltenden Beifall aller Besucher ging in der schier unnormalen Nachspielzeit regelrecht unter, dass für das sonst übliche Torwandschießen sowie für Fragen aus dem Publikum nun keine Aufmerksamkeit bzw. keine Zeit mehr vorhanden war. Nicht nur für Marcel Wedow mit seiner fleißigen Truppe wird diese besondere Veranstaltung, mit diesmal geladenen „einheimischen“ Gästen, bestimmt noch sehr lange in Erinnerung bleiben.....

Text und Bilder:

Hans Klemm, Eisenach